2017 befindet sich byte5 auf der Höhe seines Erfolgs. Seit der Gründung als Ein-Mann-Unternehmen vor mehr als 13 Jahren hat sich einiges getan. Ein Interview mit Gründer Christian Wendler.

 

Jedem Erfolg liegt eine Vision zugrunde. Wie bist du auf das Geschäftsmodell byte5 gekommen?

Der Erfolg von byte5 resultiert aus einem vorherigen grandiosen Misserfolg, bei dem wir nahezu alles und für jeden realisiert haben. Full-Service nannte man das euphemistisch. Ich habe mich dann auf das Wesentliche konzentriert: Einerseits waren wir schon immer im Bereich der Entwicklung von Weblösungen mit bestimmten Tools am besten, andererseits war unser erfolgsorientierter und wertschätzender Umgang mit unseren Kunden ein Garant für langfristige und fruchtbare Kundenbeziehungen. Daraus haben wir über die Jahre das derzeitige Modell entwickelt, das darauf beruht, dass wir weiterhin nur mit Technologien arbeiten, die uns wirklich überzeugen und die wir mit Begeisterung durchdringen. Gepaart mit der Orientierung auf den Engpass unserer Kunden und einer kooperativ gestalteten Zusammenarbeit, bei der unser Kunde stets die Kontrolle über sein Projekt behält, haben wir eine wahre Erfolgsspirale in Gang gesetzt.

byte5 war nicht deine erste Unternehmensgründung. Wie wurdest du Unternehmer?

Genau genommen bin ich nicht irgendwann Unternehmer geworden, sondern war es schon immer. Die ersten Schritte habe ich bereits während meiner Schulzeit unternommen, als ich zunächst eine – dank Werbung tatsächlich profitable - Schülerzeitung und später mein erstes IT-Gewerbe aufgebaut habe, um mir die teure Computerhardware und Netzwerksoftware leisten zu können. Nach der Schulzeit ging es dank der so aufgebauten Kontakte nahtlos mit der ersten GmbH-Gründung und dem ersten Großprojekt, einem Wetter-Self-Briefingsystem für Piloten im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes, weiter.

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Besonders in der Gründungszeit warst du sowohl als Unternehmer als auch als Entwickler sehr aktiv. Wie konntest du das unter einen Hut bringen?

Das war nur durch schieren Arbeitseinsatz möglich, denn ich musste in den ersten Jahren natürlich auch den Vertrieb, Support und das Backoffice selbst übernehmen, bis ich das später sukzessive abgeben konnte. Ich erinnere mich gut an die frühen Jahre, an denen ich sechs Tage die Woche jeweils von morgens bis nachts vor dem Rechner saß, um die Projekte unserer Kunden pünktlich und fehlerfrei fertigzustellen. Aber ich wusste aus meinen früheren Gründungen, auf was ich mich einließ und es hat mir großen Spaß gemacht. Aber natürlich bin ich sehr froh, heute ein tolles Team zu haben, in dem jeder einzelne Spezialist seinen Job vielfach besser macht, als ich es in Personalunion jemals konnte.

Was waren die größten Meilensteine für byte5?

Die Gründung erfolgte 2004. Der erste Meilenstein war die persönliche Entscheidung im Jahr 2007, dass byte5 keine Selbständigkeit bleiben sollte, sondern sich zu einem tollen und nützlichen Unternehmen weiterentwickeln sollte. So holte ich erste Partner ins Boot, die neue Kompetenzen einbrachten und die Annahme größerer Projekte ermöglichten. Die heutige Struktur und Ausrichtung hat byte5 dann 2013 mit dem Einstieg von Christian Köhler als COO und der Weiterentwicklung unserer Strategie erhalten. In den darauffolgenden Jahren haben wir kontinuierlich unser Expertenteam ausbauen und den Umsatz beträchtlich steigern können. Die dadurch gewonnene Leistungsfähigkeit und Stabilität qualifizierte uns in Folge als Dienstleistungspartner für neue, spannende Kundensegmente.

Christian Wendler beim umbOktoberfest 2015

Wie haben sich die Herausforderungen für byte5 im Laufe seiner Geschichte gewandelt?

Die ganz grundsätzliche Herausforderung hat sich seit Gründung nie geändert: Die Webprojekte unserer Kunden zum Erfolg zu führen. Das beherrschen wir. Aber natürlich spielt für uns heute sowohl das erfolgreiche Managen des Unternehmenswachstums sowie das Recruiting neuer Talente eine gewichtige Rolle, während wir die ersten Jahre noch alles selbst in die Hand nehmen konnten und gutes Selbstmanagement ausreichend war. Auch haben sich unsere durchschnittlichen Projektbudgets allein in den letzten Jahren verzehnfacht, wodurch Kompetenzen wie agile Projektsteuerung, Planung, Consulting und Kommunikation eine erheblich höhere Bedeutung erhalten haben, um unsere Kunden auch weiterhin zu überzeugen. Und natürlich wollen wir heute die byte5-Story authentisch in die Welt hinaustragen und auf unsere flankierenden Angebote, wie Trainings, Meetups und Konferenzen, hinweisen.

Vor welchen Herausforderungen wird byte5 in der digitalen Welt der Zukunft stehen?

Wir leben die digitale Welt bereits, unser gesamtes Unternehmen ist so strukturiert, dass jeder im Team gleich morgen von einem beliebigen anderen Platz aus produktiv und uneingeschränkt arbeiten kann. Von der Entwicklungsumgebung bis zur Telefonanlage ist alles dezentral. Als Mitorganisator des Lean Startup Circles und anderer Formate sind wir stets am Puls der neuesten Digitalisierungstrends. Wir entwickeln für Clouddienste und nutzen diese selbst. Für Experimente haben wir eine eigene Tochtergesellschaft gegründet, die als eine Art Digitalisierungslabor neue digitale Geschäftsmodelle testet.

Eine nicht zu unterschätzende Aufgabe ist, all dies im Einklang mit professionellen Sicherheitsbedürfnissen und der hiesigen Rechtslage darzustellen. Eine andere liegt darin, Unternehmen, die bisher noch nicht in die digitale Transformation eingetreten sind, das gewaltige Potential an Chancen, aber auch die bestehenden Risiken, verständlich und nachvollziehbar zu machen und konkrete Szenarien zu entwickeln. Dies ist für alle Seiten ein – manchmal auch schmerzvoller – Kraftakt, dem man sich besser früher als später stellt. Unser Job ist es, unsere Kunden in diese digitale Zukunft als technologischer Experte zu begleiten und mit einem angepassten Geschäftsmodell sowie neu gedachten IT-Prozessen auch in Zukunft erfolgreich am Markt bestehen zu lassen.

Als Unternehmensgründer hast du sicher gerade am Anfang viele gutgemeinte Ratschläge bekommen. Bei welchen dieser Ratschläge bist du froh, sie beherzigt zu haben – und bei welchen, dich dagegen entschieden zu haben?

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Zum Glück hatte ich zum Zeitpunkt der byte5-Gründung bereits über zehn Jahre eigene Erfahrung als hauptberuflicher Unternehmer, das hat es gewiss erheblich vereinfacht. Jedoch habe ich damals den gut gemeinten Rat, die byte5 nicht zu gründen, sondern mich stattdessen mit einem Studium zu befassen, nicht befolgt. Ob das nun die richtige Entscheidung war, weiß ich nicht, dazu müsste ich die alternative Realität kennen. Aber ich weiß, dass ich diese Entscheidung niemals bereut habe und sehr froh bin, meinen eigenen Weg gegangen zu sein. Den Ratschlag, keinen „Bauchladen“ mit viel zu breitem Serviceportfolio zu betreiben, habe ich dagegen viel früher erhalten, jedoch leider erst mit byte5 im Jahr 2004 in die Realität umgesetzt. Das hätte mir zuvor, gerade zu Zeiten der Marktkonsolidierung während der Dotcom-Krise, womöglich einige Unbill erspart. Aber so habe ich diese Lektion immerhin verinnerlicht und folge ihr bis heute.

Wie würdest du in einem Satz beschreiben, was byte5 für dich bedeutet?

Echte Begeisterung im Dienste des Kunden.

Darf ich es erklären? Wir sind von Webtechnologie fasziniert und als Entwickler verschafft es uns Befriedigung, damit zu arbeiten und sie zu meistern. Aber da dies kein Selbstzweck ist, ist der Einsatz dieser Expertise für das Kundenprojekt die alleinige Daseinsberechtigung für unser Unternehmen. Um nichts Anderes geht es letztendlich, alles Weitere folgt daraus.

Wenn du byte5 heute gründen würdest, würdest du etwas anders machen? Wenn ja, was?

Wenn ich heute ein neues Unternehmen gründe oder begleite, läuft das wesentlich strukturierter, wenngleich hoch agil ab. Die strategische Arbeit beginnt bereits im Vorfeld und es ist von vornherein klar, dass ein vollwertiges Unternehmen entstehen soll. Es werden unterwegs nicht alle Ressourcen in eine vage Idee investiert, sondern Ideen nehme ich nur noch als das, was sie in Wahrheit sind: Subjektive Hypothesen, die es zu überprüfen gilt. Aber ich hadere damit nicht, denn viele der richtigen Schritte in meinem Unternehmerleben waren nur möglich, weil ich zuvor schlechte Schritte unternommen hatte. Entscheidend ist auf lange Sicht nur, dass man immer entweder gewinnt oder lernt.

 

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