Content-Management:
Janus, in deinem Business-Netzwerk dreht sich alles um digitale Arbeit, Trends und Entwicklungen – und damit auch um Content-Management-Systeme. Was macht dieses Thema für dich so spannend?
2018 ist für mich das zwanzigste Jahr, in dem ich mich beruflich mit Content-Management-Systemen beschäftige und was mich mehr und mehr erstaunt, ist die Art und Weise, wie sich Anwendungsbereiche über die Jahre stetig erweitert haben. Als der CMS-Markt anfing, ging es sprichwörtlich um die Verwaltung von Chaos, darum klassische Word-Dateien ins Web zu bewegen. Später ging es hauptsächlich ums Verwalten von Websites, dann um User-Experiences, das Ausspielen von Inhalten auf verschiedensten Geräten und digitale Transformation. Und wer weiß: Vielleicht wird Content ja auch zu einem der Top-Kernthemen im Jahr 2018.
Welche Veränderungen auf dem Markt hast du 2017 festgestellt?
Das große Thema 2017 war Artificial Intelligence. Als Google anfing, AI zur Priorität zu machen, entwickelte sich alles sehr schnell in diese eine Richtung. Heute sind Systeme wie Amazon Alexa oder Google Home fast weltweit stark verbreitet und sorgen dafür, dass die Anforderungen an die digitale Welt immer weiter ansteigen. Mit und ohne AI gibt es eine Menge an Innovationen und damit auch neue App-Anbieter, die sich auf die Fahne schreiben, Faktoren wie Implemtierungszeit, Komplexität und Kosten stetig zu reduzieren. Das ist nötig, damit Kunden den Wert ihrer digitalen Investitionen maximieren können. Fast alle Kunden legen dabei den Fokus darauf, Kosten so gering wie möglich zu halten und um ehrlich zu sein, könnten viele CMS gerade in diesem Punkt bei vielen Unternehmen etwas mehr Sichtbarkeit vertragen. Weil die notwendigen Investitionen in Sachen Technologie und Ressourcen stetig ansteigen, stand im Mittelpunkt der vergangenen Netzwerk-Treffen von J. Boye auch immer wieder das Thema Skalierbarkeit. Wie stellen wir sicher, dass wir unsere digitalen Lösungen so skalierbar machen, dass alle Erwartungen erfüllt werden?
Boye & Co.-Gründer Janus Boye
Und was bedeutet das für die Rolle, die der CMS-Markt in der digitalen Welt gerade spielt?
Das bedeutet, dass das Ganze sich nun ein weiteres Mal dreht. Genau wie bei der Einführung mobiler Geräte, die digitale Projekte vor einigen Jahren faktisch auf den Kopf gestellt hat, nur dass AI noch viel mehr Potenzial mit sich bringt. Ein Beispiel: Heute ist jedes CMS essenziell ein Formular-basierter Baukasten, der zu einem Großteil aus Jahrzehnte altem Legacy-Code besteht. Mit Formularen, die auf Dialog und AI basieren, haben wir die Möglichkeit, mit unseren Systemen eine völlig andere Arbeitswelt für Editoren zu schaffen, was Aussehen und Funktionalität von CMS fundamental ändern kann.
Hast du Prognosen für’s Jahr 2018? Welche Themen werden in unserer täglichen Arbeit im Mittelpunkt stehen, welche Herausforderungen sich weiter vergrößern?
Wir müssen weg von reinen Website-Management und uns stattdessen mehr aufs Verwalten von Content konzentrieren. Uns stehen neue Channels zur Verfügung, etwa Chatbots und Sprachsteuerung, die dringend notwendig machen, dass der verwendete Content besser wird. Davon ausgehend stellt sich auch die Frage, ob Content tatsächlich noch lange von Menschenhand produziert werden muss. Maschinen sind schon jetzt auf dem Stand, Grammatik zu korrigieren, Wörter zu ersetzen usw. Zudem steht die neue Datenschutz-Grundverordnung vor der Tür, die EU-weit ab Mai greifen wird. Die wird dafür sorgen, dass sich etliche Firmen Gedanken um ihr bisheriges Marketing machen müssen und sich stattdessen stärker auf Datensicherheit konzentrieren.
Bei deinem Besuch beim vergangenen Umbraco-Festival Deutschland hast du die These vertreten, dass bei Content-Management-Systemen und anderen Programmen großes Wachstum im Mittelpunkt steht. Wie siehst du in einer Welt, in der fast alles digital ist, das Wachstumspotenzial und was müssen gerade CMS-Hersteller beachten, um dieses Wachstum zu erreichen?
Schon heute musst du extrem lange suchen, um ein Unternehmen zu finden, das nicht in irgendeiner Form online agiert. Das große Potenzial liegt allerdings noch vor uns, in einer Zukunft, in der jedes neue Projekt und jede Initiative mit digitaler DNA entsteht. Der Wandel geht aber weit übers Digitale hinaus. Bereits jetzt gibt es völlig neue Wege des Zusammenarbeitens und Organisierens. Wir brauchen Händler und Dienstleister, die diese Neuerungen umsetzen können und wissen, wie digitale Lösungen aussehen müssen, die skalierbar sind und einen hohen Wert haben.
Mann steht vor Himmel mit Tablets in der Hand
Was bedeutet das auch beispielsweise für das Verhältnis von Content-Management und eCommerce?
Das Zusammenspiel von Content und Commerce ist eine riesige Möglichkeit. Auch hier ist guter Content essenziell und spielt eine große Rolle, wenn es um die Steigerung von Verkaufszahlen geht. CoreMedia und Sitecore etwa nutzen diesen Trend schon eine ganze Weile, aber natürlich auch Unternehmen wie SAP und Hybris stechen da bereits als Vorbilder aus dem riesigen Markt heraus.
Als Fazit: Was muss ein CMS oder Framework tun, um zukunftsfähig zu sein?
Was am Ende über Leben und Tod eines Unternehmens entscheidet, ist meiner Erfahrung nach weniger, voraussagen zu können, welches Feature in welchem CMS künftig eine wichtige Rolle spielen wird. Erfolg steht und fällt mit Netzwerk-Beziehungen Raum für Verbesserungen und Anpassungen. Daher ist mein Rat: Sei da, wo dein Kunde ist, und versuche seine Nöte und Pläne vollends zu verstehen. Darauf basierend erhält man wichtigen Input für die Roadmap seines Produkts und vor allem auch langfristiges Vertrauen des Kunden.
Auch 2018 fokussiert sich byte5 weiter auf Systeme, die wachsen, sich weiterentwickeln und die Entwicklungen des Markts bewusst wahrnehmen. Dazu zählen für uns ganz klar CMS wie Umbraco und Kentico, Frameworks wie Laravel aber auch eCommerce-Tools wie commercetools oder uCommerce.
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